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Traumatherapie

Traumatherapie ist keine eigene Therapieform oder -schule, sondern eine spezifische Ausbildung als Ergänzung zu herkömmlichen Therapieschulen, die spezielle Techniken zur Traumabe- und -verarbeitung beinhaltet.

In Europa wird diese Therapieausrichtung durch namhafte KollegInnen vertreten: der "Grande Dame" der Traumatherapie im deutschen Sprachraum Luise Reddemann, Michaela Huber, Ulrich Sachse, Lutz Besser, den aus dem EMDR (Eye movement disencitication and reprocessing) kommenden Kollegen Arne Hofmann, den großen Traumaforschern Ono van der Haart, Bessel van der Kolk, Ellert Nijenhuis, Suzette Boon oder den jungen bekannten Psychiatern und Forschern wie Martin Doherty oder Ingo Schäfer.

Was uns die Forschung der letzten 15 bis 20 Jahre in diesem Bereich zeigen konnte, ist, dass psychische Traumatisierungen mitunter dauerhafte und gravierende Störungen in den Verarbeitungsprozessen unseres Gehirns bewirken können. Diese führen auch dazu, dass traumatische Erlebnisse dem Alltagsbewusstsein nicht zugänglich sind, jedoch durch bestimmte Alltagsreize (Trigger) aktiviert werden können und sich dann als Flashbacks (bildhafte Erlebnis-Erinnerungen) dem Gedächtnis aufdrängen.

Solche Flashbacks können in der Regel durch herkömmliche Therapiemethoden nicht oder kaum zugänglich gemacht werden. Im schlimmsten Fall werden sie durch intensives Erzählen und Nachfragen noch verstärkt, was zu einer Re-Traumatisierung der KlientInnen führen kann.

Traumatherapie erfolgt in Phasen
(wobei es fließende Übergänge gibt)

  1. Anamnese und Diagnostik

  2. Phase der Stabilisierung

  3. Phase der Traumakonfrontation und Traumasynthese

  4. Phase der Trauerarbeit, Integration und Neuorientierung

In der Traumatherapie sollen die im Unterbewusstsein "wie abgekapselt" abgespeicherten traumatischen Erinnerungen in kontrollierter und dosierter Form der Verarbeitung zugänglich gemacht werden.

  1. Anamnese und Diagnostik
    Besteht der Verdacht, dass psychische Symptome traumatische Ursachen haben könnten, sollte eine ausführliche Diagnostik gemacht werden, um diesen Verdacht zu erhärten und die Indikation für eine Traumatherapie zu stellen.
    Es ist wichtig eine genaue Anamnese zu erheben, die vielleicht Hinweise darauf gibt, ob die KlientInnen nur einzelne traumatische Ereignisse (Monotraumata) erlebt haben oder eine ganze Serie über die bisherige Lebenszeit (sequentielle Traumatisierungen). Diese können unter Umständen auch schon auf den Boden von schweren Bindungsstörungen fallen, dadurch besonders gravierende Symptome erzeugen und dann die Be- und Verarbeitung zusätzlich erschweren.
  2. Phase der Stabilisierung
    In dieser Phase werden Techniken erlernt, die es den KlientInnen selbst ermöglichen, ein Bewusstsein und damit eine bessere Kontrolle über ihre Symptome, Emotionen, Impulse etc. zu erlangen und damit dem Gefühl des "Ausgeliefert-Sein" entgegen wirken können. Hier kommen v.a. kognitive und imaginative Techniken zur Anwendung. Wichtig für die weiteren Phasen ist es auch, ein stabiles Alltagsumfeld zu erreichen (Wohnen, Arbeit, Freunde) und Täterkontakte zu unterbrechen.
    Sollten mehrere HelferInnen mit KlientInnen arbeiten, sollte eine gute Kooperation ("HelferInnenkonferenzen") bestehen, um "an einem Strang zu ziehen" und die KlientInnen nicht durch verschiedene Ideen und Arbeitsansätze noch zusätzlich zu verunsichern.
  3. Phase der Traumakonfrontation und -synthese
    In dieser Phase werden traumatische Ereignisse in kontrollierter und fraktionierter Weise zuerst bearbeitet, um sie dann zu verarbeiten. Hierfür ist ein stabiler Ausgangszustand notwendig.
    Hier kommen oben genannte verhaltens- und hypnotherapeutische Techniken, wie z.B. die Screen-Technik oder auch das EMDR, zur Anwendung. Diese Arbeit ist für die Betroffenen besonders schmerzhaft und belastend und bedarf einer guten und stabilen therapeutischen Beziehung sowie guter Vorkehrungen für die Zeit "danach".
    Durch die Bearbeitung gelingt es, traumatische Erinnerungsfragmente wieder in den "roten Faden" der eigenen Biografie zu integrieren, damit diese schließlich nicht mehr in Form von Flashbacks unkontrollierbar auftauchen.
  4. Phase der Trauerarbeit, Integration und Neuorientierung
    Es erfolgt eine Phase der Trauer über das Erlebte und das "Nicht-möglich-Gewesene" (stabile Beziehungen und Bindungen, Unbeschwertheit und Sicherheit in der eigenen Kindheit, stressfreie Entwicklung, Förderung durch Erziehungsberechtigte, usw.) sowie die Integration von all diesen nicht gemachten positiven Erfahrungen in das eigene Leben und das "Geworden-Sein". Soweit gekommen besitzen KlientInnen die Fähigkeit sich neu zu orientieren, Wichtiges für sich erlebbar zu machen ("Es ist nie zu spät!") und Zukünftiges zu planen.